Kunst und Kosmetik

Leib&Lebens-Kunst

Gertrud Kamper„Leiber, infragegestellt“ oder „Gratwanderung“, so lauten Titel von Bildern der Edition 2007 unserer Kartongalerie. Getrud Kamper stellt darin nicht nur Bilder aus, vielmehr stellen wir mit ihr gemeinsam eine Projektskizze vor, die der Bearbeitung eines aktuellen Themas dienen könnte, der Arbeit nach der Arbeit.

Mehrere hundert Impulse aus einer Lebensgeschichte nehmen Einfluss auf das Ob, das Wann und das Wie einer Gründungs Idee fanden einmal Forscher der Universität St. Gallen heraus. als ich im letzten Jahr Gertrud Kamper kennen lernte, erschienen mir ihre Gedanken zu eigenen Unternehmungen noch von vielen „unsortierten“ Impulsen bestimmt. Auf ihrer Suche nach Antworten auf ein vermeintlich chemisches und rechtliches Problem für ein traditionelles afrikanisches Hautpflegemittel, die Sheabutter oder Beurre de Karité, kam sie über die Stationen der Berliner Teekampagne und des Lebensmittellabors SOFIA zur arteFakt-Gründerwerkstatt.

Beurre de KaritéIn mehreren Gesprächen mit Gertrud Kamper, die seit vielen Jahren als freischaffende und habilitierte Wissenschaftlerin das Thema Bildung bearbeitet, erschloss sich mir zunächst nicht, warum sie einen Kleinhandel mit echter und 100% reiner Beurre de Karité wagen wollte – weder hat sie Hautprobleme, noch besteht aktuelle Geldnot. Ihre Antworten auf meine Fragen strichen nur die gesundheitlichen Vorzüge dieses alten afrikanischen Kosmetikmittels heraus.

Ich warf einen Blick auf ihre Homepage, die randvoll mit wissenschaftlichen Referenzen und Exkursen gefüllt ist. Gelangweilt „zappte“ ich Seite für Seite weiter und fand ganz am Ende die kleine Zeile „zur Galerie“. Hier entdeckte ich die Spur ihrer vielen Lebensimpulse, die sich in der Beschäftigung mit Beurre der Karité bündeln. Da findet sich ihre Faszination durch afrikanische Kultur, durch deren Ausdruck in Musik und Bewegung; es wird ihre Solidarität mit diesem Kontinent und seinen Menschen erkennbar, weiterhin ihre kulturkritische und reformerische Haltung zu unserer vorherrschenden Bildung und Wissenschaft. Und man stößt auf ihre wissenschaftlichen Arbeiten zur Bildung und Weiterbildung und darüber hinaus zu unserer kulturellen Definition von Arbeit, die sie als überholt und beengend ansieht. Und nicht zuletzt finden sich da ihre Bilder. Es geht ihr dabei wie vielen: Sie trennt Privates und Arbeit weitgehend von einander. Erst bei einer Annäherung eröffnet sich einem ihr hohes Produktivvermögen des Privaten, und man sieht die geringen Möglichkeiten, das produktiv mit der beruflichen Arbeit zu verbinden.

Vor diesem Hintergrund wurden die Beweggründe für die Überlegungen zum Handel mit der Beurre de Karité deutlicher. Gertrud Kamper ist auch auf der Suche nach einer Arbeit nach der Arbeit. Ihre berufliche Leistung fand und findet keine Entlohnung, die ihr im Alter mehr als eine Grundversorgung einbringen wird. Was tun? Diese Frage werden sich zukünftig auch andere stellen müssen. Es ist an der Zeit, das Problem nicht nur gesellschaftspolitisch zu erörtern, sondern diese Debatte auch selbst, von unten, mit eigenem Ausprobieren zu flankieren. Gertrud Kamper will es wagen und ihren Prozess dabei so transparent gestalten, dass er beobachtbar wird und das darauf Einfluss genommen werden kann. So wird lebendiges Lernen ermöglicht – eigentlich ebenso, wie sie auch mit ihrem wissenschaftlichen und künstlerischen Anspruch arbeitet, mit Kreativität und Wissenskunst.

Leib&Lebens-Kunst

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Dr. Gertrud Kamper und Francine Duroy GbR*
Ueckermuender Straße 16
10439 Berlin
Telefon 0 30 - 4 44 48 12
Fax 0 30 - 4 44 48 12
kamper [at] karitebutter.de
www.karitebutter.de

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