Aktuell: Olivenölbetrug in Italien aufgedeckt

Ein italienischer Freund, der sich meine Initiative der Olivenöl-Petition angeschaut hatte, sendete mir kurz darauf einen Link zum nachfolgenden Video, das in Italien bereits über eine Million Mal angeklickt wurde (Quelle).
Ganz aktuell zeigt das Video in drastischer Weise nicht nur auf wie „normal“ das Panschen organisiert wird, sondern auch warum es eine Lobby für die Verbraucherinteressen so schwer hat. Mit dem Polster von 100.000 Euro Extraprofit pro Tanklastwagen, wie es im Interview deutlich wird, stehen der Gegenseite enorme Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen zur Verfügung. Was hier im Video dokumentiert wird, wird nur die Spitze des Eisberges sein. Es zu zeigen und mit vielen zu teilen hilft sicher, ein wenig mehr von dem Eisberg frei zu legen und seine Struktur besser zu verstehen. Gegen diese Kraft der Extraprofite können wir wohl nur die Stärke der Öffentlichkeit setzen. Helfen Sie mit diese herzustellen.

Film mit deutscher Übersetzung starten

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Das Originalvideo ist in italienischer Sprache verfasst. Wir haben für Sie den Inhalt übersetzt und mit deutscher Stimme neu einsprechen lassen. Diese deutsche Übersetzung findet sich in einem extra Video. Wenn Sie auf Film mit deutscher Übersetzung klicken, werden beide Filme gleichzeitig gestartet. Andernfalls müssen Sie selber für den synchronen Start der beiden Filme sorgen.

Eine schriftliche Übersetzung der wichtigsten Gesprächspassagen des Videos hat Klaus Haase hier für uns übersetzt.

Italienischer Originaltitel des Videos:
ECCO DA DOVE ARIVA L’OLIO CHE METTIAMO IN TAVOLA –LA 7
Übersetzung:
DA KOMMT DAS ÖL HER, DAS BEI UNS AUF DEM TISCH STEHT

… Die Toskana, der Hafen von Livorno. Dieses enorme Schiff, in der Nacht angekommen, hat ungefähr 100 Tanklastzüge abgeladen. Zugriff des Betrugsdezernats Antifrode des Agrarministeriums. Sie kontrollieren den Tank einer der LKWs. …

… Diese dickflüssige, gelbe Substanz, halb gefroren, die ein Beamter entnimmt, soll Bio Olivenöl Extra Vergine sein. Was man im Begleitbrief liest, der vom Käufer ausgefüllt ist: Bio Olivenöl, Olivenöl aus Portugal und Tunesien. Dies ist nur einer von hundert Tanklastwagen. …

… Der Hafen von Livorno ist das Eingangstor Italiens zum westlichen Mittelmeer, nach Spanien vor allem, von wo hier hin das maghrebinische Öl aus Algerien, Tunesien und Marokko kommt. …

… Wo wird diese Mischung aus verschiedenen Ölen hingebracht? … In eine bekannte und wichtige Ölfabrik im Kreis Florenz. Dort wird diese gelbe, dichte Flüssigkeit verwendet, um Bio Ölivenöl Extra Vergine zu machen. ..

… Kann das eventuell Olivenöl Made in Italy werden? Kann es in italienischen Supermärkten als italienisches Olivenöl ankommen? … Könnte sein. Oder um es mit anderen Ölen zu vermischen, um dann 100% Made in Italy drauf zu schreiben. Und das wäre Betrug. Fabrizio Grillospina, Betrugsdezernat. …

… Wer uns erklärt, wie alles abläuft, ist der LkwFahrer, der die Ladung transportiert. Text: Dieses Öl hier füllen sie nicht so ab, wie es jetzt ist, sie müssen es notwendigerweise mischen. Ein gutes Olivenöl riecht gut… wenn es hingegen aus Tunis kommt, riecht es furchtbar. Sie werden es noch bearbeiten, sie destillieren es …

… Auch das Öl aus diesem Tankwagen ist aus Tunesien. Aber es kam über Portugal, wo es mit einheimischem Öl vermischt wurde. Dann ist es von einem spanischen Hafen hierher gekommen und somit EU- Ware geworden. …

… Das also bedeutet Vereinigung des europäischen Marktes!

… Es ist Rocco Burdo, Chef der Intelligence-Abteilung Antifrode beim Zoll. In seinem Kontrollraum kontrolliert er den gesamten Schiffsverkehr im Mittelmeerraum. Und er weiß, wie viel Öl in Spanien in Richtung Italien abschickt wird. …

… Wir haben hier ein Ergebnis: Circa 632 Millionen Kilogramm von der EU erworben, ca. 90% Spanien. Gibt’s auch Dreieckssituationen ? Es gibt investigative Vermutungen: daß das tunesische Olivenöl, bevor es nach Italien kommt, über einen Operateur reist, der eine Fiskaladresse in einem anderen europäischen Land hat, in diesem Fall in Spanien. Das ist der Fall unseres Tanklastwagens, der in Livorno ankam. …

… LKWFahrer: … Herkunft: EU. Da liegt doch der Betrug. Ein besch… Gesetz. Toskana! Und danach: EU! …

… Fassen wir zusammen: dieser Tanklaster, in Livorno angekommen, gefüllt mit ausländischen, halb gefrorenen, gemischten Ölen , ist bestimmt, in eine toskanische Ölfabrik zu gelangen. Und tatsächlich, als wir in einen toskanischen Supermarkt kommen, treffen wir in den Regalen der örtlichen Erzeugnisse Flaschen mit italienischen Marken an, mit EU-Etikett: Gewonnen aus Extravergine Oliven originär aus der EU. .. .Reift in der Toskana… Delikate Küche… mal hier unten schauen…Ursprungsöle der EU…

… Wieviel kostet so ein Öl? Zwischen drei und fünf Euro pro Liter. Da gibt’s Öl im Angebot…Schon ausverkauft! Wirklich nichts mehr da!

Gespräch auf dem Hain: … Ist es möglich, das Extra Vergine zu einem Preis von 3,50 pro Liter zu verkaufen? … Das ist nicht möglich! Wir zahlen Gebühren, zahlen Steuern. Unmöglich, das Öl zu dem Preis zu verkaufen, den sie sagen. zu drei Euro? …

… Sie sind Landwirte im Süden des Salento. Apulien produziert 40% des italienischen Olivenöls. … Ihr, zu welchem mittleren Preis verkauft ihr euer Öl? Extra Vergine von italienischen Oliven. …
… Zu 8,50 Euro aufwärts. …8.50 Euro ist der mittlere Preis für ein italienisches Olivenöl. Demnach: wenn wir ein Extravergine zu einem Preis von 3 Euro vorfinden, was ist da drin?

… Muß man mißstrauisch sein, ist kein italienisches Olivenöl ….

… In diesem Jahr ist die Produktion zusammengebrochen, von 500.000 t im Jahr 2013 auf 200.000 t im Jahr 2014. Und wenn das italienische fehlt, kommt es aus dem Ausland. Wir sind eingeschwemmt mit ausländischen Ölen, die oft als Made in Italy in den Flaschen enden. …

… Vor zwei Wochen hat die NAS, die Eingreiftruppe der Carabinieri, fünf Olivenmühlen in Lecce auffliegen lassen, da sie als italienisch Öle deklariert hatten, die aus Griechenland und Spanien gekommen waren. Die fünf Unternehmer sind wegen Lebensmittelbetruges angezeigt worden. …

Eine Frau sagt: Wir sprechen hier nicht von verschiedenen Ölen, wir sprechen hier nicht von Samenöl, Olio di Sansa, wir sprechen von Motoröl… hab ich gehört. Wir sprechen…von Öl…

… Diese Frau ist Angestellte in einer der fünf konfiszierten Olivenölmühlen. …

… Es ist eine Sache von Dokumenten, Papieren. Sie müssten dir Zeit geben, um dich einzurichten…

… Gibt’s auch Fälle, in denen man griechisches Öl zu 4 Euro kauft, und dann als italienisches zu 8 Euro verkauft? …
… Wir verkaufen unser Öl für 7 Euro. Unser Öl, von unseren Bäumen zu 7 Euro. Das EU- Öl zu 5,50 Euro.

… Darf ich mir das ansehen? Als wir uns das näher ansehen, sehen wir, dass auf dem Öl zu 5,50 Euro eine schöne Trikolore weht. Weiß, rot und grün. Und die Frau, die uns vom EU- Öl erzählt hatte, weiß nichts mehr zu antworten. …

… Ist das hier alles italienisch? …
… Sind sie ein Experte? …
… Nein… weil geschrieben steht, dass es italienisch ist. …

… Pronto Dottore? In diesem Augenblick telefoniert die Frau mit dem Inhaber der Olivenölmühle. Er sagt ihr, sie solle die Carabinieri. rufen. Die jedoch nie ankommen.

… Kommt der Präsident jetzt?
… Der kommt gleich, er hat mir gesagt, ich solle die Carabinieri rufen.

… Vor zwei Jahren hatte die Polizei von Siena einen nahezu identischen Fall von Betrug entdeckt wie jenen der fünf Olivenölmühlen in Lecce : mit gewaltigen Auswirkungen. Eine kleine toskanische Olivenölmühle hatte aus griechischem Öl italienisches gemacht. Das gab in einem Interview der Leiter der Verkaufsabteilung zu:

… Man hat was gemacht, Maremma buona, wir haben uns das griechische Öl geschnappt und es zu italienischem umgetauft , erweitert, praktisch. …

…Die fünf Lecceser Olivenölmühlen sollen es auf dieselbe Art gemacht haben: man nimmt sich griechisches Öl und tauscht dann die Verpackung. Alle fünf hatten das Öl beim selben großen Großhändler gekauft. …

… Sie wissen, was im Augenblick passiert?
… Sehen Sie, ich hab die Nachrichten verfolgt ..Aber das sind deren Probleme, uns interessiert das nicht…

… Was das Vertauschen der Etiketten angeht: Das sind 100.000 Euro, wenn man es so macht. Das ist nur einer … jeder Tankwagen .. . verdient 100.000 Euro

… Giovanni Melcarne ist Präsident der Consortiums DOP in der Terra d’Otranto. Und er kennt gut die Zahlen seines Sektors: Ein Tankwagen von 30 t mit griechischem Öl kostet 3 Euro pro Liter = 90.000 Euro. Wenn diese 30 t italienisch werden, dann Dank eines gefälschten Zertifikats, steigen die Kosten pro Liter auf 6,50 Euro: der Wert des Tankwagens steigt auf 190.000 Euro. …

… Ist Ihnen als Erzeuger eine solche Manipulation schon mal vorgeschlagen worden?
So mancher hat es vorgeschlagen, hin und wieder.
Und was sagten Sie?
Nun, die Notwendigkeit, aus einem Lampantöl ein Extravergine zu machen.
Ein Betrug, der System hat.

… Bio-Öl wurde sehr wenig erzeugt, wir haben Mühe … in Italien … es zu erzeugen, die Supermärkte aber sind voll von italienischem Bio-Öl. Das ist absurd. …

… Dieser Unternehmer meint, dass beim tunesischen Öl Bio nur auf dem Zertifikat steht. Er hat Ölmühlen in Tunis gesehen und er zeigt die aufgenommenen Fotos. …

…Das sind die Mühlen…die arbeiten schon nicht mehr… das ist das Bio-Öl, das ankommt.

… Vom Ölbetrug haben auch die USA, die jedes Jahr 4.000 t aus Italien kaufen, Notiz erhalten. Diese Infografik aus der NewYorkTimes brandmarkt die Fälschung des tunesischen Öls, das als italienisches verkauft wird. Und all das geschieht, stellt die Zeitung fest, durch die Komplizenhaftigkeit italienischer Politiker, die sozusagen die Kontrollen aufweichen. …

… Das war alles schon da und passiert wieder. Weil es jemandem nützt. ….

… Eine Tatsache, die uns bestätigt wird auch vom Chef der Antibetrugsbehörde des Zolls: …

… Das italienische Parlament hat ein Gesetz erlassen, das sagt, dass die Kontrollen des Zolls innerhalb von drei Tagen abgeschlossen sein müssen, maximal, wenn die Überprüfung der Muster eingegangen sind. In drei Tagen kann man Kontrollen nicht abschließen. Es ist eine Art, um euch zu entwaffnen.

4 Antworten zu Aktuell: Olivenölbetrug in Italien aufgedeckt

  1. Klaus-Dieter Heymann 5. April 2015 at 14:31 #

    Dieses Video ist wirklich ein „Hammer“, mit dem man die EU-Olivenöl-Verordnung zerschlagen kann bzw. soll.

  2. Heinrich Blezinger 5. April 2015 at 16:46 #

    In der Frage der wirklichen Qualität des Öles , egal aus welchem Land ist die Information sehr mangelhaft, ich weiss um den Wert echten Olivenöles als Nahrungsmittel und als Heilmittel.
    Ich weiss aber nicht wie die Indentität wirklich nachgewiesen wird.
    Bitte erweitern Sie Ihre Informationen und Recherchen um den systematischen Indentitätsnachweis, der nicht in drei Tagen lebensmittelchemisch vollziehbar von Ihnen dargestellt wird.

  3. Conrad Bölicke 6. April 2015 at 07:00 #

    Ohne direkt Kenntnis des Ursprungs der Olive ist die Herkunftsidentifizierung noch sehr schiwierig. Es gibt verschiedene Forschungsansätze, darunter z.B. eine Isotopenbestimmung oder vergleichbare eindeutige Leitmerkmale, die aus der individuellen Zusammensetzung der örtlichen Naturbedingungen kommen. Um das zu einer sicheren Methode zu entwicklen bedürfte es eines umfassenden Bodenkatasters zum Abgleich. Ein solches ist noch in sehr weiter Ferne. In einigen Fachdiskussionen wird der Vorschlag erörtert, den Olivenölen im Ursprung etwas zuzusetzen, was eine spätere Identifizierung eindeutig machen könnte. Wie immer wird dabei betont, dass derartige Zusätze dann selbstverständlich „lebensmittelphysiologisch“ unbedenklich sein würden. Beim Heizöl habe ich nichts dagegen, es einzufärben um es steuerrechtlich vom Diesel unterscheiden zu können, bei Lebensmitteln möchte ich das nicht. Die Geschichte hat zu oft im nachhinein gezeigt, dass es denn so unbedenklich dann doch nicht war. Lebensmittel möchte ich so Natur belassen wie möglich.
    Gut ausgebildete und geschulte Sensoriker sind zur Zeit die Einzigen, die mit größerer Sicherheit aus, in ihrer Herkunft unbestimmte Olivenöle bzw. aus ihren Mischungen, die Olivensorten identifizieren können. Das werden in machen Fällen auch schon einige „Laborkünstler“ können, die nach laboranalytischen Nachweismethoden forschen. Das ist aber noch kein öffentliches Wissen mit entsprechendem Zugang. Zusammenfassend muss ich leider konstatieren, dass es noch keine sicheren und ein-eindeutigen Möglichkeiten der nachträglichen Bestimmung der Herkunft gibt. Dass aber müssen sie sein, weil es eben auch gerichtsfest sein muss, wenn man in den Konflikt mit einem „Betrüger“ gehen will, und dass macht es auch den zuständigen Behörden so schwer bis unmöglich. In dem Video wird gut gezeigt, dass es dem italienischen Zoll zur Zeit nur mit dem Nachweis von gefälschten Papieren gelingt. Dazu sind sie auf Insidertipps, hartnäckige Recherche und viele Zufälle angewiesen.

  4. Erlebe Abenteuer e.V. 28. Januar 2016 at 21:26 #

    Wer möchte kann sich auf Sizilien sein eigenes Oliven Öl herstellen. Neben vielen anderen Angeboten in der Permakultur und ökologisch wertvollen Reisen. Ihr könnt in der enstehenden Selbstversorger Gemeinschaft mit Meerblick auf die benachbarten Aeolischen Inseln auch frei leben oder einfach für eine enstpannende Auszeit mithelfen und günstig Urlauben.

    Wer nur die besten Früchte selbst von Hand erntet und in einer ausgezeichneten Mühle verarbeitet weiß das selbst 10 Euro „nichts“ ist. 40 Euro kommt hin – Feinschmecker zahlen bis zu 100 Euro für den Liter.

    Beste Qualität ist leider oft nahezu unbezahlbar. Und wie man sieht – eben auch nicht einfach zu sehen d.h. kaum überprüfbar. Alternative – selber machen. (Oder Kleinbauern die man persönlich gut kennt aufsuchen.) Für uns ist die Zeit des Pflückens eine meditative Tätigkeit. Mit dem Ausblick auf das Meer und die Aeolischen Inseln…

    Ganz anders bei den armen ausgebeuteten unterbezahlten Erntehelfern weit und breit, die mit schweren, lärmenden und stinkenden (umweltschädlichen) Maschinen viele lange harte Arbeitstage für Hungerlöhne schuften müssen. – Moderne Sklavenarbeit. => Für preiswerte Produkte im Supermarkt. – Super?

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