Alternativen gibt es immer, selten aber leichte

Viele kleinere Betriebe werden zunächst mit noch höherer Selbstausbeutung und intensiverer Nutzung ihrer Flächen zur Erzeugung von mehr Masse darauf reagieren, um zu versuchen die Verluste zu kompensieren. Wenn, wie geplant 2013, die bisher gezahlten Agrarsubventionen wegfallen, werden sie nach und nach aufgeben müssen. Mittelgroße Betriebe mit größeren Flächen werden die Methoden der Massenproduktion wie beim Obstanbau übernehmen. Sie werden ihre jetzigen Olivenhaine roden und sie mit schnell wachsenden und ertragsstarken Hybriden in dichten Reihen bepflanzen. Derartige Plantagen lassen sich dann mit wenigen Menschen maschinell bewirtschaften, mit kontrollierter Nährstoffzufuhr, dem Einsatz von Designer-Pestiziden und maschineller Ernte- und Baumschneide-Technik. In manchen Gegenden, besonders in Spanien, ist dieser Trend bereits erkennbar. Von einem Olivenölerzeuger lässt sich dann nicht mehr sprechen, eher von einem Rohstofflieferanten für die Olivenölindustrie.

Dieses industrielle Lebensmittel ist im Geschmack ein charakterloses Massen-Olivenöl. Sein Wert ist mit 2,79 Euro pro 0,75 l wie bei Aldi oder Lidl noch deutlich zu teuer bemessen. Ein so hergestelltes Sonnenblumenkernöl wäre auch nichts anderes und kostet bereits deutlich unter einem Euro. So einzigartig ist das alles jedoch nicht. Schmeckt etwa die Milch, die wir im Supermarkt kaufen wirklich gut, oder erwartet man das überhaupt noch? Die meisten Konsumenten haben sich daran gewöhnt und noch nie eine echte Milch getrunken. Oft können Sie sich gar nicht vorstellen, dass man einen Unterschied schmecken könnte, – und dass man zum Beispiel, wenn man „echte“ Milch genießt, keine teuren Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium und Magnesium mehr zukaufen müsste.

Die Idee und das Projekt der Olivenölkampagne – eine nachhaltige Alternative

Eine lebenswerte Alternative entstünde aus meiner Sicht nur aus dem Mut, sich von diesen Marktmechanismen abzuwenden. Das erfordert ein konsequentes Umdenken hin zu Qualität, Individualität, Transparenz und Nähe zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Ein Olivenanbau, der auch die Landschaftspflege mit umfasst, eröffnet über die Olivenölerzeugung hinaus auch touristische Potenziale für zusätzliche Erwerbszweige. Mit dem Projekt arteFakt kann ich seit über fünfzehn Jahren aufzeigen, dass eine solche Orientierung nicht nur eine denkbare, sondern eine machbare Alternative darstellt. Die Aufspaltung des Marktes, wie wir das z.B. bei Wein, Käse und vielen anderen Lebensmitteln bereits schon lange kennen – einerseits industrielle Erzeugung und andererseits natürliche -, werden wir nicht aufheben können, wie müssen uns möglichst oft für eine der beiden Seiten entscheiden.

Auch beim Olivenöl bilden sich langsam qualitätsbewusste Erzeuger heraus, die ich in Analogie zu den Winzern „les Oliviers“ nenne. Sie gewinnen aus ihren Oliven weniger das Öl als den Fruchtsaft der Olive, legen deshalb ihr Augenmerk auf den An- und Ausbau autochthoner Sorten, betreiben eine nachhaltige Landwirtschaft und bescheiden sich bei den Mengen zum Vorteil einer hohen Jahrgangsqualität. Das wird weiterhin nicht mit Billigangeboten zu machen sein, das Preisniveau wird dafür eher noch steigen. Discounter und Supermärkte werden wie bisher das Billig-Segment der dann auch weiterhin als nativ und extra deklarierte Olivenöle anbieten. Sauber raffiniert oder geschönt, werden diese Öle nicht mehr das Ergebnis der „Auslese-Qualität“ sein, das ursprünglich mit der Bezeichnung nativ und extra intendiert war. Es sind nur noch Olivenöle als Industrie-Erzeugnis, wie es bei anderen Speiseölen, etwa dem Sonnenblumenkernöl, lange schon eingeführt ist.

In den Feinkost-Nischen der Supermärkte wird sich, wie jetzt schon beim Wein, dann auch das eine oder andere echte Olivenöl finden, freilich nicht zu billigen Preisen.

Den mit arteFakt eingeschlagenen Weg werde ich mit Freude und mit Freunden weiter gehen und wir werden uns mit dem Saft der Olive noch stärker als bisher an der Methodik und Systematik der Weinqualitäten anlehnen. Vielleicht gibt es dann zukünftig natürliche Olivenöle als Kabinett, Classic oder Auslese.

Aufklärung ist oft mühsam, beschwerlich und wirkt zumeist nur in der Tendenz, aber erste Erfolge schmecken bereits herrlich.

Das wünscht Ihnen

Conrad Bölicke