Andalusien und das Olivenöl – was ist ein Mensch wert?

Unfassbar und eigentlich ohne Worte. Auf unserer Reise durch Andalusien vergangene Woche hatten wir ein schier unglaubliches Erlebnis, als wir durch die Fußgängerzone des properen Udeba (Nähe Jaén) gingen. Das Thermometer zeigte knapp über 0 Grad und in der Stadt war am Abend kaum noch jemand zu sehen. Hie und da hörten wir Gespräche aus Kneipen, die aber kaum gefüllt waren. Was uns auffiel, waren die vielen Farbigen, die bei dieser Kälte mit Sack und Pack durch die Kälte eilten. Die Neugier war geweckt und wir folgten den Menschen, die scheinbar alle ein Ziel hatten.

Nach wenigen Minuten und in einer ca. 100 Meter lange Einkaufspassage wurde uns dann klar, was hier ablief: Zig Farbige lagen dort, mit Schlafsäcken und Decken bestückt, nebeneinander und bereiteten sich auf die Nacht vor. Wir wollten diese Situation gerne mit unsere Kamera festhalten, doch wir fühlten uns unwohl dabei, Menschen, in dieser Situation zu fotografieren.

Wanderarbeiter, die eine Kirche in Ubeda besetzten

Wanderarbeiter, die eine Kirche in Ubeda besetzten

Es war eine ruhige, aber sehr bedrückte Stimmung, es hatte den Anschein, dass sich viele untereinander kannten. Die Menschen sprachen sehr leise, darauf bedacht, niemanden zu stören, die wenigen Einheimischen, die vorübergingen, schien der Anblick nicht neu zu sein. Wir setzten unseren Weg fort, bedrückt und irgendwie auch erbost darüber, was wir da sahen.

Am nächsten Morgen, unser Weg führte uns sehr früh nach Cordoba, sahen wir dann viele Menschen wieder, die tags zuvor in der Passage lagen, an einer großen Straße, wartend auf kleine Lastwagen, die anhielten. Es wurde kurz geredet, danach stiegen sie ein. Schnell wurde uns klar, dass wir soeben an einen „Arbeiterstrich“ vorbeifuhren.

Die Bilder der beiden Tage veranlasste uns, das Thema weiter zu verfolgen. Wir erfuhren aus der Presse, dass die Immigranten kurz darauf eine Kirche besetzten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Sie forderten die Öffnung der Sporthalle, um wenigsten die Nacht nicht auf der Straße zu verbringen.

Seit einigen Wochen spricht ganz Andalusien über diese unglaublichen Zustände in Ubeda, auch deswegen, weil von Seiten der Stadt keine Reaktionen kommen. Falsch, eine Reaktion kam dann heute doch: Man will am kommenden Montag zusammenkommen, um über die Situation zu beraten…

Traurige Grüße
Veronica und Ralf

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