arteFakt auf einen Blick

Der gelebte, oft auch undeutliche oder zunächst sogar unklare Prozess, der sich in zwölf Jahren Olivenöl-Kampagne entfaltet hat, lässt sich im Rückblick nur schwer darstellen. Vieles erscheint von heute aus logisch aufeinander aufgebaut oder zielsicher angesteuert. Oft fand aber eher ein Suchen und vorsichtiges Ausprobieren statt, mit viel Offenheit für das, was da kommen könnte. Viele haben deshalb an dem heutigen Bild von arteFakt und der Olivenöl-Kampagne mitwirken können, auch ihnen ist dieses Heft gewidmet.

Olivenbaum

Aristoteles & Markt

Bereits Aristoteles verfasste Aufsätze über die Konzeption des Marktes. Unter anderem erklärt er, dass ein Markt nur bei einem freien und ungehinderten Zugang von Anbietern und Nachfragenden funktionieren kann. Zwar war der Markt, den er im Auge hatte, eher ein Ort der Öffentlichkeit zum Tausch von Meinungen und Informationen. Das mag ihn dazu bewogen haben, in einem weiteren Schritt die untrennbare und notwendige Verbindung von Markt und Demokratie zu skizzieren. Noch heute halte ich das für ein Essential. Der Tauschmarkt in seiner ursprünglichen Form, wie wir das in Ansätzen noch vom Wochen- oder Flohmarkt her kennen, liegt mir nahe. Dort ist Geld noch in seinem Wesenskern als ein Tauschmittel erhalten geblieben, noch nicht selbst Produkt oder unternehmerische Idee geworden. Ähnlich sehe ich das beim Gewinn, er hat dem Unternehmen zu dienen und dieses dem Kunden, und nur daraus bestimmt sich seine Höhe.

 

Nachhaltigkeit

Wir sollen den Systemen, in denen wir leben, nicht mehr entnehmen, als wir in sie zurück führen bzw. als wir ihnen an Zeit und Ressourcen zu ihrer Regeneration belassen. Das sind, abstrakt formuliert, die Forderungen zur Nachhaltigkeit. Wir sind verpflichtet, die Stabilität von natürlichen Systemen zu erhalten, denn wir gehören selbst zu ihnen. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit sollen daher für die Sphären der Ökonomie, der Ökologie und des Sozialen gelten. Im Idealfall sollen sich die drei Geltungsbereiche auf jeder Entscheidungsstufe miteinander verschränken und kein voneinander getrenntes Eigenleben führen, das erst im Nachhinein über Bilanzbewertungen mathematisch wieder zusammen geführt wird.

Der Club of Rome erreichte 1972 mit seinem Buch „Grenzen des Wachstums“ erstmals eine breitere Öffentlichkeit für die Botschaft, dass die Menschheit durch Vernutzung der natürlichen Ressourcen und die Belastung der natürlichen Systeme ihre eigene Überlebensfähigkeit bedroht.

 

John Ruskin und Joseph Beuys

Die Werke dieser beiden bedeutenden Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts haben mich früh in íhrem ganzheitlichen und bekennerischen Wirken, in dem Kunst, Utopie, Sozialreform und Ökonomie zusammen gehen fasziniert. Beide erkannten im unternehmerischen Tun nicht nur die zerstörerischen Kräfte, sondern auch die großen schöpferischen Potenziale zur Gestaltung von Dingen und von menschlichen und gesellschaftlichen Beziehungen. Nicht das Geld oder der Konsum sollte dabei im Vordergrund des Schaffens stehen, sondern das Leben. John Ruskin formulierte dazu, dass ein Produkt nicht nur dann ein gutes Produkt sei, wenn es sich leicht verkaufen ließe. Ein gutes Produkt solle das Leben verschönern und bereichern. Deshalb sei es zu kurz gegriffen, wenn sich die ökonomische Kette nur auf den Konsum ausrichte, vielmehr müsse sie darüber hinausreichen, bis in das Leben selbst, weil nur Leben Reichtum sei.

Joseph Beuys hatte sich mit seinem erweiterten Kunstbegriff der „sozialen Plastik“ der Ausübung von Kunst als einem ganzheitlichen Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess zugewandt, an dem jeder Mensch beteiligt sein und verändernd in die Gesellschaft eingreifen kann und soll. In diesem Sinn formulierte er: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Damit wies er nicht nur einen emanzipatorischen, sondern auch einen partizipatorischen Weg. Sich selbst zu gestalten, damit zum Künstler oder auch zum Kunstwerk zu werden, das braucht auch etwas Übung im Selbstvertrauen. In der Gründerwerkstatt lässt sich das üben, in Gemeinschaft – für sich selbst, für das eigene Kunstwerk.

 

Olivenöl-Kampagne

Aus dem anfänglichen Projekt „Ölwechsel“ wurde die „Olivenöl-Kampagne“. Angetreten waren wir, um bei demjenigen Grundnahrungsmittel, das innerhalb der EU-Agrarordnung am meisten verfälscht wird und am stärksten unter betrügerischen Machenschaften zu leiden hat, beim Olivenöl, den Fälschern und Betrügern entgegen zu arbeiten. Den „wahren“ Erzeugern wollten wir helfen, für ihre Mühe und Arbeit eine faire Chance auf einen gerechten Erlös zu bekommen. Die Aufgabe war und ist gewaltig. Die Übermacht der Ölkonzerne ist so erdrückend, dass wir uns mit der Rolle des David arrangieren müssen. Olivenöl ist heute immer noch das am meisten verfälschte Lebensmittel, aber die Zahl der „Aufgeklärten“ wächst, sie erreichen die Öffentlichkeit und gewinnen damit an Kraft. Für grundlegende Veränderungen wird sie leider noch längere Zeit nicht reichen. Im Kleinen, mit der Olivenöl-Kampagne, werden wir diese Veränderungen aber weiter mit vorantreiben.