Bio Roveja – die Wilderbse

Die Roveja ist eine kleine, bräunliche und nur Pfefferkorn große Wilderbse, die in früherer Zeit in den kargen und karstigen Höhenlagen der Sibyllinischen Berge in Umbrien angebaut wurde. Sie zählte mit zur Grundernährung der ländlichen Bewohner, ihr Anbau war und ist jedoch recht aufwändig, zum intensiven Landbau eignet sie sich nicht und so verschwand sie mit der Zeit aus dem Alltag.
Die Wilderbsenpflanze wird nicht höher als 30 cm und „krautet“ auf dem Boden entlang und hat die Fruchtschoten an den Pflanzenstängeln bereits kurz über dem Boden, so dass sie überhaupt nicht mechanisch zu ernten sind. Mit einer Sichel wird sie per Hand dicht am Boden abgeschnitten und nach dem Abtrocknen mit dem Rechen zusammen geharkt, aufgenommen und gedroschen.
Ein langer und mühsamer Weg ist notwendig, um die Roveja zu gewinnen und warum machen sich die Angelinis all diese Mühe? Zum einen ist es reine Kulturarbeit mit viel Idealismus, um alte und dem Vergessen anheimgefallene frühere Nutzpflanzen zu reanimieren und zum anderen ist es der besondere Geschmack, den heutige Erbsen nicht mehr aufweisen. Die Wilderbse hat nur einen eher kleinen Mehlkörper, damit weniger Kohlenhydrate, was sie in ihrer Konsistenz nach dem Kochen al dente belässt und in ihrem Geschmack weniger mehlig und eher intensiv pflanzlich und nussig prägt.

Zubereitung und Verwendung:
Wie andere Hülsenfrüchte auch, muss die Roveja zunächst über Nacht in Wasser eingeweicht und zum Quellen gebracht werden. Vor dem Einweichen sollte sie mit Wasser so lange gespült werden, bis das Wasser klar bleibt. Das Einweichwasser wird dann vor dem Kochen wieder abgegossen und die Roveja in frischem Wasser zum Aufkochen gebracht. Kocht das Wasser auf, wird die Hitze soweit reduziert, so dass die Roveja noch immer leicht in dem Wasser sprudeln. Bereits nach 10 bis 15 Minuten können die Erbsen al dente gar werden, wie beim Kochen von Pasta kostet man dann ab und zu eine Roveja und entscheidet wann es für einen die richtige Konsistenz hat und das Garen beendet wird. Egal wie lange man sie kocht, richtig mehlig weich, wie es von anderen Erbsen her gewohnt ist, werden sie nicht.
Die so al dente gekochten Roveja, halten sich im Kühlschrank über lange Zeit (zehn bis vierzehn Tage) frisch, ohne ihren Geschmack zu verlieren. In Umbrien bereitet man sich daher immer einen gewissen Vorrat und streut sie als Bereicherung und Beigabe in verschiedenste Speisen. Das können Salatvariationen aller Art, ein Gemüse-Sugo oder eine Sauce, die zum Fleisch gereicht wird, sein. Ein italienischer Koch in der Markthalle 9 in Berlin, der die Roveja zuvor nicht kannte, streute sie in sein Pasta-Gericht mit einer Käsesahne-Sauce mit ein und war begeistert.
In Umbrien wurde die Roveja früher gern zur Suppe verarbeitet. Hierzu wurden sie zunächst möglich lange gekocht, um sie im Anschluss besser pürieren zu können. In einem Topf wurden in etwas Olivenöl einige Knoblauchzehen und Sardellen gedünstet und mit Wasser aufgegossen, Peperoncini hinzugefügt und dann langsam das Roveja-Püree eingerührt. Auf dem Teller wurde die Suppe noch mit Olivenöl übergossen und mit grob geraspeltem Parmesankäse überstreut, dazu gab es Brot.
Dieses Grundrezept lässt sich wunderbar mit geschmorten Kartoffelwürfeln, Möhren und weiterem Wurzelgemüse und Lauch ergänzen und variieren. Wer es vegan mag ersetzt die Sardelle durch etwas Sojasauce, die auf ähnliche Weise die kräftige und salzige Würze ergibt.

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