Die Erzeuger müssen in den Mittelpunkt unserer Kampagne

Alles begann an einem sonnigen Julitag 2011 in Wilstedt auf der Bölickeschen Terrasse bei einem guten Kaffee, serviert vom Hausherrn. Conrad hatte uns eingeladen. Der Kontakt kam über Umwege zustande. Conrad hörte vom Gründerlabor der Hochschule für Künste Bremen, in dem wir vier als gerade ausgebildete Designstudenten unsere Selbstständigkeit aufbauten, und lud uns ein. Es gehe wohl um „irgendwas mit Olivenöl“,  hatten wir unseren Kollegen noch zugerufen, als wir an diesem Morgen mit einem geliehenen Auto Richtung Wilstedt aufbrachen. Als wir wieder zurückkamen, war uns fast ein wenig schwindlig, so viel Input hatten wir an diesem Vormittag bekommen. Aber wir hatten Feuer gefangen. Und eines war klar: Hier geht es nicht darum, jemandem dabei zu helfen, ein Produkt neu zu designen (was wir erwartet hatten), sondern um eine aus Gestaltersicht weitaus interessantere Arbeit. „Ich muss gar nicht so tun, als könnte ich mich in Eure Generation hineinversetzen“ – so Conrad –, „unsere Elterngeneration hat uns damals auch nicht verstanden. Mich interessiert, wie Ihr mit Euren Erfahrungen, Eurem Hintergrund, eine solche Kampagne gründen würdet.“

Nun muss man wissen, dass eine solche Aufgabe genau das Gegenteil dessen ist, was Designer Tag für Tag in der Arbeitsrealität erleben. Normalerweise hat ein Auftraggeber ein Problem und sucht Designer, die seine eigenen Lösungsideen in die Tat umsetzen. Genau dort beginnt dann oft die Arbeit: dem Auftraggeber behutsam diese Vorstellungen auszureden und ihn dazu zu bewegen, noch mal ganz neu zu denken. Hier nun lag der Fall aber komplett anders. „Legt einfach los und erarbeitet Euch die Olivenölkampagne Eurer Generation. Ich brauche keine Beamer-Zwischenpräsentationen. Ich will am Ende nur die Ergebnisse sehen und mich immer wieder mit Euch treffen, damit wir uns austauschen können.“

Mit anderen Worten: der lang ersehnte Traumauftrag. Die totale Freiheit. Und genau das wurde dann auch gleich zur Schwierigkeit: In unseren Workshops kamen wir schnell an die Probleme unserer Aufgabenstellung. Einerseits wollten wir diese Freiheit nutzen und nicht zu schnell in die Umsetzung, in die Gestaltung einsteigen. Andererseits fingen wir an, uns konzeptionell im Kreis zu drehen und Umsetzungen herbeizusehnen. Immer wieder mussten wir uns bremsen und noch einmal von vorne denken. Und dann das Reden. Lange Debatten über verschiedenste Ansätze. Schnell kamen unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen zutage. Vom größten gemeinsamen Spaß bis zu filmreifem Angezicke nachts um halb drei in unserem Atelier haben wir alles durchlaufen, was in solch einer Arbeit möglich ist. Gruppenarbeiten sind nicht immer einfach.

Doch was war unsere gemeinsame Schnittmenge? Das war uns wichtig. Was überzeugt uns alle gemeinsam? Denn das wäre dann etwas, das für unsere Generation eine Relevanz haben könnte. „Die Erzeuger müssen in den Mittelpunkt unserer Kampagne.“ Das war der erste Beschluss.

Und was denken wir über arteFakt, so wie es jetzt ist? Schnell waren wir in einer Auseinandersetzung mit der 68er Generation und den Brüchen zu unserer Generation. Die auch von Conrad gewollte Kritik an arteFakt  wurde zu einer Triebfeder für unsere Arbeit und zu einem interessanten Gegenstand unserer Debatten mit ihm. Was gefällt uns an arteFakt, was würden wir anders machen? Was muss neu hinzukommen? Im Laufe der Zeit nahmen unsere Konzepte konkrete Formen an. Vieles haben wir über Bord geworfen. Das Interessanteste haben wir weitergetragen. Das war immer der Plan gewesen. So lange suchen, bis wir alle vier von etwas überzeugt sind.

Irgendwann dann im letzten Herbst standen wir als Teil einer arteFakt Reisegruppe auf dem Museumshain nahe Bitonto. Zwischen Kräutern und Insekten in der prallen Sonne arbeiteten wir mit bei der Olivenernte. Gut, ein gewisser (männlicher) Teil unserer Gruppe saß mehr auf dem alten Trullo und schaute zufrieden auf das Treiben. Dieses ist nur ein Erlebnis von vielen, es findet in diesem Text aber seinen Platz, weil es für uns das schönste und vielleicht auch wichtigste Erlebnis dieses einen Jahres war. Hier bekamen wir die Arbeit zu fassen. Es waren die Gerüche, der Boden, die Bäume, die Landschaft, die Leute, die Bauern – all das zusammen verdeutlichte uns, worum es eigentlich geht. Doch immer wieder wurde klar, so wie arteFakt jetzt ist, so würden wir vier es nicht machen.

Wenn Sie sich für die Ergebnisse unserer Arbeit interessieren, so besuchen Sie uns auf unserer Webseite: www.artefakten.org

Besonders bedanken wollen wir uns hier an dieser Stelle auch noch einmal bei unseren vielen Förderern, die unsere Arbeit finanziell unterstützt haben.

Herzliche Grüße
Anna Maria Müller, Kolja Burmester, Manuel Dreesmann, Zora Heini

Keine Kommentare bis jetzt.

Schreibe einen Kommentar