Die EU-Olivenöl-Verordnung wird zur Fessel für Kleinerzeuger und Verbraucher

Die Einführung der Olivenöl-Verordnung in Brüssel ab 1991, insbesondere mit der Fassung von 2002, war zunächst ein richtig ansetzender Versuch, diesem Produkt einen rechtlichen Ordnungsrahmen zu geben und Mindeststandards für die Qualität zu definieren. Gleichwohl gelang es in all den Jahren damit nicht, das Olivenöl vom ersten Platz auf der Betrugsskala bei Lebensmitteln innerhalb der EU-Agrarordnung zu verdrängen. Wurde die Verordnung verschärft, wurde der Betrug raffinierter.

In den letzten fünfzehn Jahren habe ich immer wieder über die Betrugsmethoden berichtet und mit Mitteln der Aufklärung versucht, gegen die Machenschaften anzugehen. Die Gründung von arteFakt selbst war von diesem Bestreben geleitet, was ich seinerzeit in dem Slogan „Ölwechsel“ ausdrückte. Jetzt deutet sich aber eine für den Olivenöl-Sektor neue Strategie bei den marktbeherrschenden Akteuren an, die zu der Überlegung zwingt, künftig ganz neue Wege zu konzipieren und dann auch zu gehen, unabhängig von der Olivenöl-Verordnung.

Etwa zur gleichen Zeit, als spanische Investoren große italienische Olivenöl-Marken aufzukaufen begannen, wurde die Olivenöl-Verordnung in Brüssel, wie es heißt auf Betreiben der „Mittelmeerländer“, an entscheidenden Stellen negativ verändert.

Dadurch werden jetzt schlechte und alte Olivenöle der Kategorie Lampant-Olivenölen also nicht zum Verzehr geeignet und zugelassen in die Kategorie „native Olivenöle“ gehoben und bleiben somit verkehrsfähig. Bisherige Grenzwerte hatten diese Lampant-Olivenöle vom Lebensmittelmarkt ausgeschlossen oder sie erst nach einer Raffination wieder für den Verzehr frei gegeben. Dann aber durften sie nicht mehr als nativ oder gar nativ extra deklariert werden, sondern nur noch als „Olivenöl“. Nach der EU-Olivenöl-Verordnung ist das die Bezeichnung für raffinierte Olivenöle. Jetzt aber, mit den neuen Grenzwerten, können strategische Lagerreserven aufgebaut werden. Auch wenn das Olivenöl dabei alt wird, hat es Chancen auf das Etikett „nativ“. „Lobbyisten“ ist es gelungen in Brüssel die Grenzwerte an dafür wichtigen Stellen neu zu fassen.