Die Zukunft des Olivenöls zwischen Markt und Marke, zwischen Lidl, Aldi & Co. und den kleinen, auf individuelle Qualität bedachten, Erzeugern

Einen Tag nach meinem Abflug im Januar 2009 von Heraklion nach Athen fuhren kretische Bauern mit ihren Traktoren auf das Rollfeld des Inselflughafens und hielten es für drei Tage besetzt. Andere Landwirte sperrten derweil mit ihren Traktoren die Nationalstraßen von Athen nach Thessaloniki. Nahezu gleiche Aktionen hatte ich bereits im Dezember des zurückliegenden Jahres in Apulien erlebt. Das Vorgehen hatte mich an den Milchstreik hiesiger Landwirte erinnert. Auslöser sind in allen diesen Fällen die dramatisch gefallenen Erzeugerpreise. Erzielten die Olivenanbauer in den Jahren davor in Apulien noch bis zu 4,50 Euro für ein Kilo natives Olivenöl, so sank der Preis auf ruinöse 2,70 Euro, in Griechenland von 3,50 auf 2,05 Euro.

Der Abwärtstrend hat sich für die Ernte des Winters 2011/12 fortgesetzt und lag in Griechenland bei 1,84 €, Spanien bei 1,75 € und in Italien bei 2,36 €.

Was sind die Ursachen für die fallenden Preise?

Erzeuger fragen sich ob es sich hierbei um Natur bedingte Schwankungen, um (bedauerliche) Auswirkungen der „Marktmechanismen“ handelt oder ob nicht doch  Olivenöl-Mafiosi ihre Hände im Spiel haben. Die jüngsten Enthüllungen aus Italien sprechen für Letzteres:

Olivenölverfälschungen

„Aldi diktiert die Preise“

titelte das Magazin Stern in seiner Ausgabe 6/2009 und benannte damit ein Stück der heutigen Wirklichkeit. Es wird mit der Hoffnung auf bloße Marktschwankungen aufgeräumt werden müssen. So senkte Aldi dann 2009 unter anderem den Preis für 750 ml Natives Olivenöl Extra von 3,19 auf 2,79 Euro. Wenig später zog dann Lidl nach und sogar an diesem Niedrigpreis noch vorbei. Bedenkt man, dass die Produktionskosten, also die betrieblichen Rohkosten, für kleine und mittelgroße Erzeuger z.B. in Italien etwa 7,50 Euro pro Kilogramm ausmachen, versteht man die Dramatik der Situation für sie. Nur durch einen noch höheren Grad an Selbstausbeutung der Familie und die EU-Agrarsubventionen von 1,50 bis 2,50 Euro pro Kilogramm hält sie noch knapp über Wasser. Investitionen oder Entwicklung kann sich kein kleiner oder auch mittelgroßer Erzeuger bei diesen Vergütungen leisten. Die Abwärtsspirale scheint programmiert, weil sich mit diesen ökonomischen Eckdaten keine Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit erreichen lässt.