Einführung: Natürliches (natives) Olivenöl — ein Mittel zur Förderung der Gesundheit

Bei der Entwicklung unseres derzeitigen Gesundheitssystems kann man ähnliches entdecken wie bei der Entstehung des Finanzdebakels: Erst als sich das Geld immer weiter von seinem ursprünglichen Charakter des Tauschmittels als Ausdruck realer Wertschöpfung entfernte, konnte die Illusion Raum greifen, aus Spekulationen mit leeren „Werthülsen“ ließen sich nachhaltige Werte schaffen.

Unser immer weiter wachsender Gesundheitsapparat bewegt ebenfalls jährlich viele Milliarden Euro, die dennoch nie ausreichen und deren Werthaltigkeit immer weniger fassbar ist.

Kritische Stimmen, die auf die Grenzen des Verfahrens hinweisen, gibt es genug. Wie im Finanzsektor ist nur der Zeitpunkt unbestimmt, zu dem die aufgeblähte Finanzierung des Gesundheitssystems nicht mehr zu halten sein wird. Unsere individuelle Möglichkeit, die Geldsysteme zu beeinflussen, ist gering. Aber die Möglichkeiten, etwas für unsere eigene Gesundheit zu tun, sind unvergleichlich größer. Ein gutes Olivenöl kann dabei ein Hilfsmittel sein, da es sehr gut schmeckt, gesund ist – und weil es Spaß macht, es mit Freunden zu genießen.

Natürliche Olivenöle erhalten die Gesundheit und fördern die Heilung —
vieles muss man trotzdem selber machen

Der Olivenbaum zählt mit zu den von Menschenhand kultivierten Pflanzen. Ob der Saft seiner Früchte früher mehr den rituellen Zwecken, z.B. als heiliges Salböl, für die Körperpflege und als Licht- und Energiespender diente oder bereits auch als Grundnahrungsmittel eingeführt war, lässt sich heute nicht genau ermitteln. Ohne die Erfindung der Zentrifuge um 1830, die in wenigen Augenblicken Öl von Wasser trennen kann, wäre jedenfalls kein allgemein verfügbares, wohlschmeckendes Lebensmittel daraus geworden. Wasser oxidiert Öle und Fette und lässt sie dadurch schnell ranzig werden.

So soll Hildegard von Bingen die Heilkraft von Olivenöl sehr geschätzt, von dessen Verzehr aber wegen des üblen Geschmacks abgeraten haben. Der griechische Arzt Hippokrates (ca. 500 v.Chr.) würdigte ebenfalls Olivenöl als Heilmittel und empfahl es bei Erschöpfung, zum Ausheilen von Bronchitis, bei Geschwüren und Cholera, zur Wundheilung und zum Knochenaufbau bei Kindern.

Früher waren Ärzte und Heilkundige auf die in Generationen angesammelte Erfahrung, auf tradiertes Wissen und auf die eigene Beobachtung angewiesen, die Empirie des Heilens war ihre Arbeitsgrundlage. Heute wird der Erkenntnisprozess weitgehend auf moderne Geräte verlagert, mit denen man alles bis ins kleinste Detail analysieren und sichtbar machen kann. So hilfreich diese Analytik auch ist, beruht sie doch auf einem problematischen Prinzip: der Isolierung des einen untersuchten Stoffs oder Vorgangs. Damit verbindet sich die Hoffnung, die eine Substanz zu finden, die das (gesundheitliche) Problem verursacht – oder es beheben kann.

Die Dinge aus ihrem systemischen Zusammenhang zu nehmen und sie isoliert zu betrachten, erreicht aber überall schnell seine Grenzen. So ist hinlänglich bekannt, dass viele Nahrungsergänzungsmittel nur den Herstellern helfen. Vitamine z.B., die als künstlich hergestellte Substanz in Tablettenform geschluckt werden, können vom Körper nicht aufgenommen werden, weil ihnen die Komplexität des natürlichen Vorkommens fehlt. Vitamine müssen sich oft erst in Fett oder einem wässrigen Medium lösen, damit sie vom Körper aufgenommen und verarbeitet werden können.
Bei allen nachfolgend aufgeführten positiven Eigenschaften, die Olivenöl zu einem besonders wertvollen Grundnahrungsmittel machen, sollte man sich meines Erachtens daher von drei Einsichten leiten lassen:

1. Olivenöl ist keine Medizin. Olivenöl kann nur eigene Bemühungen gesund zu werden oder zu bleiben unterstützen.

2. Nur ein mit großer Sorgfalt, aus gesunden und frischen Oliven kalt gepresstes Olivenöl (unter 27°C Verarbeitungstemperatur) besitzt die ihm zugeschriebenen positiven Eigenschaften. Olivenöle enthalten dann bis zu 2% sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenole, Polyphenole, Squalen, Tocopherole, Flavonoide, Vitamin E, A und D und das im Chlorophyll enthaltene Beta-Karotin. Das unterscheidet – weniger die Fettsäurestruktur – Olivenöl von allen anderen Speisefetten, weil Olivenöl aus dem Fruchtfleisch, dem Zellsaft gewonnen wird. Den im Olivenöl enthaltenen, bioaktiven Begleitstoffen werden heute die Gesundheit fördernden Wirkungen zugeschrieben. Ähnlich den Aromen reagieren diese Stoffe jedoch sehr empfindlich auf höhere Temperaturen und falsche Bearbeitung und Handhabung.

3. Die substanzielle Wirkung von originärem Olivenöl für die Gesundheit ist weit weniger bedeutsam als seine Rolle für die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten: Wohlschmeckend und genussreich, hilft es wie von selbst dabei, den Fleischkonsum zu reduzieren, viel Salat und kurz geschmortes Gemüse zu essen, mit Reis, Kartoffeln oder Pasta als Beilage – und mit den Glücksgefühlen, die sich dabei einstellen.