Irrtümer zum Olivenöl, die sich hartnäckig halten

Ungefiltertes Olivenöl ist besser ?!

Da es sich beim Olivenöl um einen Bestandteil der Fruchtzelle und damit des Zellsaftes handelt, hat die Natur ihm auch eine Fülle von aktiven Stoffen und Mechanismen beigegeben, die die Reifung und den späteren Zerfall der Frucht anregen und beschleunigen sollen. Nur durch ein frühes Filtern, bei dem diese natürlichen Pflanzenstoffe weitgehend entfernt werden, kann dieser Reifeprozess gestoppt und unterbunden werden. Es hält sich leider immer noch weit verbreitet die Ansicht, dass ein ungefiltertes und trübes Olivenöl, ähnlich dem naturtrüben Apfelsaft, besser sei. Da es sich botanisch gesehen bei der Olive ebenfalls um eine Obstfrucht handelt, exitieren hier zwar zahlreiche Ähnlichkeiten zu anderen Obstfrüchten, daraus ist aber keine generelle Übertragbarkeit aller Aspekte gegeben. Ein naturtrüber Apfelsaft wird z.B. zur Unterbindung der Hefekeimbildung kurzzeitig auf 80 bis 85°C erhitzt, was nicht ohne Einfluss auf die aktivierenden Inhaltsstoffe bleibt. Es ist nur zu hoffen, dass angebotene naturtrübe Olivenöle nicht auf vergleichbare Weise konserviert werden.

Ein ungefiltertes und Natur belassenes Olivenöl altert innerhalb weniger Wochen und eignet sich keinesfalls zur Bevorratung.

Olive ist nicht gleich Olive

Würde man einen Wein mit der Beschreibung offerieren „Hergestellt nur aus Trauben von kleinbäuerlichen Winzern rund um den Bodensee“ würde das sicher nicht als Qualitätsmerkmal angesehen, obwohl es emotional sehrt schön klingt. Wieviel Rebsorten mögen wohl rund um den Bodensee angebaut werden und was würde dieses „Cuvée“ wohl geschmacklich und farblich ergeben. Beim Olivenöl ist es jedoch eine noch häufig gebrauchte und positiv gemeinte Qualtätsbeschreibung, wenn z.B. „hergestellt aus Oliven rund um den Golf von Korinth“ geschrieben wird.

Man muss sich das nur praktisch vorstellen, was mit so empfindlichen Früchten wie Weintrauben oder Oliven passieren würde, wenn sie mit LKW´s über lange Strecken durch die Landschaft fahren, bevor sie dann gepresst werden können. Es finden sich auch Etikettaufschriften, gerade bei Billigprodukten der Supermärkte und Discounter, die das noch toppen und damit werben, dass ihr Olivenöl nur aus „vollreifen Oliven der besten Lagen des Mittelmeeraumes“ gewonnen wurden. Das Verbraucherwissen zum Olivenöl hinkt dem von Wein noch weit hinterher. Keinesfalls wachsen z.B. rund um den Golf von Korinth nur eine Sorte Oliven und wie beim Wein sind es gerade die regionalen Varietäten, auch als autochthone bezeichnet, die die Typizität der jeweiligen Olivenöle ausmachen könnte. Schaut man auf die Toskana, gibt es dort mindestens sieben regionaltypische Olivensorten. Aber auch schon ein Riesling von der Mosel schmeckt anders als der von der Unstrut oder einem aus dem Badischen. Die eng begrenzte Lage spielt eben auch eine herausragende Rolle für die Qualität eines guten Olivenöls.