Wie Veränderungen von Grenzwerten den Betrug „legalisieren“

Kontrollaspekt – die UV-Photospektronomie

Echte native Olivenöle weisen in ihrer Molekülstruktur überwiegend konjugierte Doppelbindungen auf. Mittels einer physikalisch-chemischen Prüfmethode, der UV-Photospektronomie, kann man diese Bindungen ermitteln bzw. identifizieren. In einem durch Grenzwerte exakt definierten Bereich erhält man für diese ein Signal, das aufgezeichnet werden kann. Durch zu heißes Pressen, falsche Lagerung, Verwendung fauler Oliven und durch Alterung kommt es zur Ausbildung von isolierten Doppelbindungen. Deren Signal liegt dann außerhalb dieser Grenzwerte. Daran kann man z.B. Lampant-Olivenöle leicht erkennen. Will man dies umgehen, müsste man die Grenzwerte so erweitern, dass auch die Signale für Lampantöle (bisher nicht für den Verzehr und die in Verkehrbringung zugelassen) noch in den Bereich für native Olivenöle fallen. Die Lobbyarbeit war erfolgreich, es wurde nun in Brüssel so beschlossen und in die aktuelle Fassung der Olivenölverordnung aufgenommen. Der größere Teil der erzeugten Olivenöle waren bisher Lampant-Olivenöle. Ein Teil davon wird nun zu nativem Olivenöl und steigert das Überangebot von Olivenöl mit einem enormen Druck auf dieErzeugerpreise. Ein weiterer und ebenso bedeutender Effekt ist, dass Erzeuger von guten Olivenölen ihre Qualität von Händlern nicht mehr bezahlt bekommen und in dieser Folge auch immer weniger auf Qualität setzen und sich Mühe geben.

Kontrollaspekt – die sensorische Fehlerkontrolle

Die Fälschungen des Olivenöls waren mit der Zeit so perfekt geworden, dass sie im Labor nur noch schwer zu erkennen waren. Daher wurde die Olivenöl-Verordnung um eine sensorische Kontrolle ergänzt, die in ihrem Rang noch vor der analytischen Kontrolle steht. Fehler, die im Labor nicht mehr oder nur noch sehr schwer erkennbar sind, können von geschulten Geschmackstestern erschmeckt werden. Ein Natives Olivenöl Extra darf bei dieser Kontrolle in definierten Geschmackskategorien keine Fehler aufweisen. Wird diese Norm nicht erreicht, greift eine kleine Fehlertoleranz, angegeben durch einen im Test ermittelten Median bis zum Wert von 2,5. Olivenöle im Bereich der Fehlertoleranz verloren die Bezeichnung „Extra“, waren aber noch in der Kategorie der „nativen“ Olivenöle angesiedelt. Bei Überschreiten dieses Medianwertes wurde das Olivenöl dann allerdings als Lampant-Olivenöl eingestuft und damit nicht verkehrsfähig.

Hier beschloss man nun in Brüssel, den Median von 2,5 auf 3,5 zu erhöhen. Unter Fachleuten ist damit klar, dass es zukünftig nahezu keine Lampant-Olivenöle mehr geben wird.

Kontrollaspekt – die Angaben zur Mindesthaltbarkeit

Bei der Produktdeklaration müssen nun weder der Erntejahrgang der Oliven noch das Abfülldatum angegeben werden. Als Mindesthaltbarkeitsangabe reicht die Angabe: „Verbrauch empfohlen bis zum Tag/Monat/Jahr“. Für Verbraucher ist nun nicht mehr erkennbar aus welchem Jahrgang das Olivenöl stammt. Es macht schon einen Unterschied, ob man ein frisches Olivenöl der zurückliegenden Winterernte oder eines von vor drei Jahren angeboten bekommt.

Mit diesen drei kleinen Änderungen können nun, ohne großen Aufwand und archaischen Betrugsmethoden, strategische Olivenölreserven zur Marktmanipulation angelegt werden, was auch geschieht. Die Auswirkungen beginnen die Erzeuger in Form sinkender Abnahmepreise seit mehreren Jahren heftig zu spüren. Erst wenige verstehen aber den grundlegenden Wandel, der sich im Hintergrund am Olivenmarkt vollzieht. Ihre Proteste werden daher ohne Wirkung bleiben. Würden Regierungen den Protesten nachgeben und die entstehenden Einkommensminderungen ausgleichen, machten sie sich umgehend unerlaubter Agrarbeihilfen schuldig und müssten mit Sanktionen aus Brüssel und mit Strafzahlungen rechnen. So wie die Situation sich jetzt darstellt werden es allein die Verbraucher in der Hand haben diese Fehlentwicklungen zu korrigieren.