Kücheneinführung

Kulturell könnte es ein Fortschritt sein, dass wir in unseren Breiten das Essen nicht mehr nur als Nahrungsaufnahme zum Überleben benötigen bzw. betrachten müssen. Dieser Umstand korreliert jedoch immer weniger mit der gelebten kulturellen Wirklichkeit. Gesellschaftliche Veränderungen im Zusammenhang von Familie und Beruf geben der kulturellen Dimension des Essens immer weniger Raum, u.a. mit der Folge, dass wir uns auf Generationen von Küchen-Analphabeten zubewegen. Immer seltener erleben Kinder, dass Zuhause Essen zubereitet und gekocht wird oder gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden. Die berufliche Lebenswirklichkeit eines heutigen Doppelverdienerhaushaltes hat die frühere Rolle der nur „Hausfrau“ abgeschafft, ohne bisher dafür einen adäquaten Ersatz schaffen zu können. Beide Elternteile ernähren sich tagsüber heute oft in Kantinen, beim Bäcker um die Ecke und in Stehbistros während der knapp bemessen Arbeitspausen. Auch die wachsende Anzahl projektorientierter Arbeit mit der „Freiheit“ größerer Spielräume in der Selbstgestaltung von Arbeitszeit führt wegen der Zielvereinbahrungen letztlich zu unkalkulierbaren Arbeitszeiten. Dabei ist dann zumeist morgens nicht klar, wann der Arbeitstag enden wird. Eine sinnvolle Hauswirtschaft steht dem auch hier entgegen. Die Verbreitung von convenience food, Spätkauf, Schnellimbiss und Bistro haben also objektive Grundlagen des Wandels und sind weniger Ausdruck von Bequemlichkeit oder einer nachlässigen Haltung. Unbefriedigend ist die Situation trotzdem und drängt eigentlich nach ihrer Überwindung. Das nicht nur aus kulturellen Gründen, sondern mittlerweile auch aus gesundheitlichen und damit volkswirtschaftlich ökonomischen. Die ungebrochenen Wachstumskurven ernährungsbedingter Krankheiten wie Altersdiabetis schon bei Kindern, Allergien, Neurodermitis, Unverträglichkeiten aller Art, Herz- und Kreislauferkrankungen etc. würden bei Aktienbesitzern von Firmen täglich die Champagnerkorken knallen lassen.

Nun ist es heute wie zu allen Zeiten, dass moralische und dramatisierende Apelle wenige Veränderungen hervorrufen, wenn sich die Ursachen, die zu dieser Entwicklung beitragen nicht verändern. Mit arteFakt können wir hierbei natürlich nur ein kleines „Rädchen“ sein, das würden wir aber gern selber drehen.

An den Anfang stellen wir eine Erläuterung von Otto Herz, einem heutigen Urgestein der Deutschen Pädagogen, zu den zwei einzigen Gründen warum oder wodurch man lernt. Kein Lernen ist danach das Gehorchen, auch wenn das immer noch für Viele so scheint. Man lernt ausschließlich durch Vorbilder und durch Attraktion, wobei hier auch Fehler in diese Kategorien fallen.

Neue Zeiten benötigen zur Veränderung auch neue Küchen. Daher lassen wir uns mit dieser Rubrik „Küche & Rezepte“ davon leiten Ihnen Anregungen und Informationen zu geben, mit denen Sie den zeitlichen Wettbewerb zum Aufbacken einer Tiefkühlpizza gewinnen könnten und den geschmacklichen allemal. Dazu kooperieren wir mit vielen Köchen, veranstalten attraktive Mehrgänge Menüs in ihren Restaurants und begleiten unsere Marktveranstaltungen mit Kochkursen und den sehr beliebten „Löffelmenüs“ mit Naschportionen zum Erkunden der vielfachen und leckeren Möglichkeiten einfacher und schneller Zubereitungen einer neuen, modernen und gesunden Küche. Unsere Spezialität ist es dabei die mediterrane Ernährungs- und Küchenstruktur auf heimische, möglichst regionale und oft in Vergessenheit geratene Zutaten zu übertragen. Die verschiedenen nativen Olivenöle haben hierbei eine gleich große Chance die Speisen zu bereichern wie in den mediterranen Ländern selbst. Wir geben bei den Rezepten Tipps zur Orientierung, welche nativen oder nativ aromatisierten Olivenöle jeweils am Besten dafür geeignet sind.

Unter dieser Rubrik finden Sie neben den Rezepten auch die Speisekarten unserer Restaurantveranstaltungen, Kochseminare und Löffelmenüs, sowie Hinweise auf unsere heimische Sortenvielfalt an möglichen Zutaten und wer sich in den Regionen wieder darum kümmert, sie durch Anbau und Aufzucht zu erhalten oder auch erst wieder zu gewinnen.

Wir laden Sie herzlich ein, daran mitzuwirken. Mit der Kommentarfunktion können Sie mit Ihren Erfahrungen, Anregungen und Hinweisen helfen das „Rädchen“ schneller drehen zu lassen oder weitere hinzuzufügen.

Josep Beuys formulierte, dass jeder Mensch ein Künstler sein kann. Für ihn war der Mensch zunächst ein Rohling und er sprach jedem Menschen die Fähigkeit zu, dass er diesen, seinen eigenen Rohling, zu einer besonderen und einzigartigen Skulptur formen könnte. In diesem Sinne kann auch jeder Kochen und es wird eine Freude sein, die daraus mannigfaltigen Variationen und Interpretationen, z. B. eines Petersilien-Pestos, naschen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen die lebenslange „Traute“ von Versuch und Irrtum und ein Umfeld, das Ihnen dazu Mut macht und auch dabei bleibt, wenn es mal nur „suboptimal“ gelingt.

Ihr

Conrad Bölicke

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