Ohne Tests geht bei uns gar nichts

Zurück zum PE-Beutel in der Bag in Box. Das theoretische Wissen und die Herstellerangaben wollten wir nicht ungeprüft übernehmen und ließen sie daher im Labor untersuchen. Die Ergebnisse waren positiv, es wurden weder Lösungsmittel, noch Weichmacher, noch andere Fremdzusätze gefunden. Nun galt es noch zu prüfen, ob sich mit der Zeit PE-Monomere durch das Olivenöl aus dem Polymer lösen könnten. Dazu haben wir Standversuche über mehrere Monate bei verschiedenen Temperaturen (18°C, 24°C und 32°C) durchgeführt. Mit der hohen Temperatur lassen sich dann lange Zeiten simulieren. Auch diese Versuche ergaben keinen Nachweis einer Belastung der Olivenöle aus der PE-Verpackung.

Nun wollten wir noch wissen, ob sich die vermutete bessere Haltbarkeit,  eines durch regelmäßige Entnahme entleerten PE-Beutels, auch wirklich ergeben würde. Also besser als in einem vergleichbaren Kanister. Dazu entnahmen wir jeweils zu gleichen Zeiten alle vierzehn Tage aus beiden 5-Liter-Verpackungen 0,5 Liter Olivenöl und beobachteten dabei die Peroxidentwicklung des in den Behältern verbleibenden Olivenöls. Die Peroxidzahl wird auch Reifezahl genannt, weil die Anzahl der Peroxide pro definierter Volumeneinheit den Grad der Reife bzw. irgendwann auch die Überreife oder die Verderbnis anzeigt. In einer zweiten, parallel durchgeführten, Versuchsreihe entnahmen wir nur 0,25 Liter Olivenöl alle vierzehn Tage. Für beide Behälter hielten wir die Lagertemperaturen mit 20°C konstant, da wir davon ausgehen, dass nicht mehr jeder einen kühlen Keller zur Aufbewahrung hat.

Bei regelmäßiger Entnahme von einem Liter pro Monat war der Unterschied zwischen dem Kanister und der Bag in Box nicht signifikant, die Werte der Bag in Box jedoch leicht besser. Bei einer Entnahme von nur einem halben Liter pro Monat und entsprechend verdoppelter Zeit des geöffneten Kanisters ging die Schere dann aber nach fünf Monaten immer deutlicher auseinander. Die nachströmende Luft im Kanister lässt das Olivenöl über einen langen Verbrauchszeitraum deutlich schneller reifen als in der Bag in Box. Dieses Qualitätsargument hat uns dann zu der Entscheidung gebracht mit der Bag in Box den großen Kanister abzulösen.

Den 1-Liter-Kanister werden wir nicht aufgeben, da sich das wesentliche Argument der sich verlängernden Verbrauchszeit des geöffneten Kanisters nicht in gleicher Weise ergibt. Aber auch hier kündigen sich Veränderungen an. Ältere Menschen (ab dem Eintritt in den Unruhestand) fragen jetzt bemerkbar oft nach 0,25 oder 0,5-Liter-Kanistern, weil sie nicht mehr so häufig zuhause kochen und essen.  Das wiederum stellt uns eher vor eine ökonomische denn logistische Herausforderung. Unser Konzept beruht in der Preisbildung auf den Vorteilen von Großpackungen, dem Kauf eines Jahresvorrats und dem Prinzip des Großhandels für Endverbraucher. Die 1-Liter-Kanister sind bisher eher zum Kennenlernen oder zum Verschenken gekauft worden. Daher hatten wir sie nur mit einer kleineren, daher etwas subventionierten Handelspanne kalkuliert. Durch die größeren Verschiebungen durch verändertes Verbrauchsverhalten haben wir diese Preiskorrekturen jetzt vornehmen müssen.

 

 

4 Antworten zu Ohne Tests geht bei uns gar nichts

  1. Dr. Krause 8. April 2014 at 08:06 #

    Sehr interessant. Besteht die Möglichkeit einer Einsicht der Prüfprotokolle?

  2. Martin Geiger 25. Mai 2014 at 17:03 #

    Sehr geehrter Herr Heim,
    danke für die Veröffentlichung des Analysenberichtes. Die Werte sind auch sehr gut und belegen eine gute Ölqualität. Aber leider sind in dem Prüfbericht keine Untersuchungsergebnisse zu der Thematik -Weichmacher bzw. Kunststoffmonomere bzw. Oligomere aus der Verpackung – zu entnehmen.
    Insofern ist der Prüfbericht zwar informativ, aber hinsichtlich den Aussagen nicht zweckdienlich. Weiterhin ist zu beachten, daß die Peroxidzahl allein nicht aussagekräftig ist hinsichtlich dem Oxidationszustand des Öles ist. Peroxide können ja bekanntlich auch schnell weiterreagieren. Daher muß bei einem oxidierten Öl nicht zwangsläufig eine erhöhte Peroxidzahl vermutet werden.
    Andererseits sind bei den sehr hohen Harmoniewerten der sensorischen Prüfung auch kein Verdacht hinsichtlich sensorischer Defekte gegeben.

    Viele Grüße
    Martin Geiger

  3. Michalis Pantelouris 5. Juni 2014 at 09:53 #

    Lieber Dr. Krause, lieber Herr Geiger,

    Missverständnis: Natürlich können Sie gerne die Prüfberichte des Beutels (samt Verschluss) einsehen. Sie liegen online hier:

    http://www.artefakten.net/wp-content/uploads/2013/03/Sofia-Prüfbericht-2088-12.pdf

    und hier:

    http://www.artefakten.net/wp-content/uploads/2013/03/Sofia-Prüfbericht-2088-11.pdf

    Der Bag-in-Box enthält keinerlei Weichmacher. Trotzdem lassen wir regelmäßig Stichproben unserer Olivenöle aus den PE-Beuteln untersuchen und haben nie irgendeinen Befund erhalten.

    Und ein Gedanke zu den Peroxid-Zahlen: Für Sie gibt es einen Grenzwert in der Olivenöl-Verordnung, schon deshalb müssen wir sie untersuchen lassen, aber der Grenzwert ist höher als bei anderen Speiseölen. Ein Schelm, wer dabei die Vermutung hätte, das läge an der besonders erfolgreichen Lobbyarbeit der großen Konzerne bei der EU …

    Liebe Grüße und vielen Dank für das fachkundige Interesse!

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