Olivenöl und Betrug im Wandel der Zeit

Vorwiegend italienische Olivenöl-Großhändler gingen oft unlautere Wege, um über marktbeherrschende Mengen zu verfügen. Mit – aus heutiger Sicht – nahezu archaisch anmutenden Methoden betrogen sie auf unterschiedliche Weise. Preislich günstigere, griechische und spanische Olivenöle wurden als teure italienische Öle umdeklariert oder verschnitten. Tankschiffe wurden mit billigem Olivenöl aus Tunesien durch mehrere europäische Häfen geleitet, bis die Frachtpapiere das Öl als Erzeugnis aus dem EU-Raum auswiesen. Es wurden griechische Olivenöle mit billigem türkischen Sonnenblumen- oder Haselnussöl vermischt, und es wurden verdorbene Olivenöle in Autoklaven bei 60°C „schonend“ gedämpft, so dass sie, zusätzlich deodoriert, wieder halbwegs passabel schmeckten.

Für all diese Delikte haben Firmenbosse bekannter italienischer Olivenölmarken Strafen erhalten und z. T. auch im Gefängnis abgesessen. Geholfen hat das wenig, die Gewinnspannen sind zu groß, nur beim Rauschgift und in der Prostitution gelten sie als noch höher. Daher werden solche Praktiken nicht einfach der Vergangenheit angehören. Der aktuelle „Olivenölskandal“ in Italien belegt das wieder.

Es zeichnet sich jedoch ein Wandel ab, der aus Erzeuger- und Verbrauchersicht aber keine Besserung bedeuten wird. „Modern“ denkende Investoren aus Spanien haben in den letzten Jahren nahezu alle bekannten italienischen Olivenöl-Marken aufgekauft. Ihnen gelten die herkömmlichen Wege des archaischen Betruges als nicht mehr zeitgemäß. Es sind modern wirtschaftende Unternehmer, die sich für derartige Absichten zivilere und legalistische Mittel und Wege suchen. Es gilt dann durch gezielten Lobbyisteneinsatz einfach die gesetzlichen Bestimmungen in Brüssel so zu gestalten, dass sich auch mindere Ware als hohe Qualität definieren und zu Niedrigstpreisen verkaufen lässt.

Wenn bei dem jüngsten Olivenölskandal in Italien jetzt von 7,5 Millionen Tonnen minderwertigem Olivenöl ausgegangen wird, dass zu „echtem“ Nativem Olivenöl Extra gepanscht wurde, darf man von einem Extraprofit von mindestens einem Euro pro Liter ausgehen. Eine Tonne sind bekanntlich 1.000 Liter und das dann 7,5 Millionen mal. Das lohnt dann auch bei geringerer Extraprofitrate.