Olivenölbetrug – ein italienisches „Sommermärchen“

Italienische Medien berichten zur Zeit über zwei neu aufgedeckte Olivenölskandale, welche die von Branchenkennern geäußerte These bestätigen, dass die Gewinnspannen des Betruges bei den Olivenölen höher als in der Rauschgift- und Pornobranche liegen dürften. Zwischen 0,30 und 1,00 Euro Abschlag pro Kilogramm liegen die offiziell im Großhandelsmarkt aufgerufenen Preise für die unterschiedlichen Olivenöle unterhalb der höchsten Qualitätsstufe der Nativen Olivenöle Extra. Im „grauen“ Handelsmarkt könnten sie sogar noch weitaus höher liegen.

Das Europazentrum des Olivenölbetruges

Wenn die italienischen Behörden jetzt in den Lagern der Ertappten ca. 9.000 bis 10.000 Tonnen (1 Tonne = 1.000 Kilogramm) dieser gepanschten und umdeklarierten Betrugsware sicher stellen, muss man sich vergegenwärtigen, dass diese Menge nur einen Bruchteil ihrer jährlichen Handelsaktivität darstellt. Die Gegend um Siena hat sich schon seit langer Zeit zum marktbeherrschenden Zentrum für gepanschte Olivenöle entwickelt. Branchenkenner schätzen, dass ca. 15% aller in der europäischen Gemeinschaft erzeugten Olivenöle durch Siena geschleust werden, um dann als garantiert Native Olivenöle Extra aus 100% italienischer Herkunft zu Niedrigstpreisen gehandelt zu werden. Die beiden neuen Berichte über den Olivenölbetrug beschreiben recht anschaulich, was man für diese „Schnäppchenpreise“ im Einzelhandel dann so angeboten bekommt.

Die Folgen des Betruges

Die Rohkosten zur Erzeugung von einem Kilogramm echten italienischen Nativen Olivenöls Extra, also der höchsten Güteklasse, liegen je nach italienischer Region zwischen 6 und 8 Euro. Da die wieder einmal aufgedeckten Verfälschungen heute den marktbeherrschenden bzw. normalen Zustand darstellen, bekommen die Erzeuger diese Preise schon lange nicht mehr geboten, was mit größer werdender Geschwindigkeit ihre Existenz bedroht.

So sind Erzeuger und Verbraucher gleichermaßen die Opfer des Betruges. Im Unterschied zu den Verbrauchern, haben Erzeuger jedoch wenig bis gar keine Handlungsmöglichkeiten etwas dagegen zu tun. Ihre Möglichkeiten für eigene Vermarktungswege liegen nahe Null. Sie sind davon abhängig ihre Olivenöle den kleinen oder größeren Aufkäufern zu überlassen, die die Olivenöle für die Großen einsammeln. Letztere geben dafür dann natürlich auch die Ankaufpreise vor.

Es gibt wenig Hoffnung, dass sich etwas ändern wird

Alle Hoffnungen der zurück liegenden Jahre, dass ein aufgedeckter Olivenöl-Betrugsskandal etwas ändern könnte, haben sich nicht erfüllt. Die Betrüger bzw. ihre Firmen, in den die Verfälschungen vorgernommen werden, agieren nicht im Untergrund oder in verborgenen Hinterhofklitschen wie etwa Rauschgiftlabore. Es sind „ehrbare Bürger“ der italiensichen Gesellschaft mit prosperierenden und öffentlich agierenden Firmen, die auch große Arbeitgeber in ihrer Region sind. Ihr Einfluss im gesellschaftlichen und politiischem Leben ist so groß, dass man sie bei der Schwere der Vorwürfe auch nicht verhaftete und in Untersuchungshaft nimmt, sondern sie „ehrbar“ unter Hausarrest stellt. Lediglich die Gehilfen wurden in U-Haft genommen, als vorübergehende Bauernopfer.

Unsere italienischen Partner machen uns daher auch in diesem Fall wenig Hoffnung. Es ist eine der reichsten und einflussreichsten Familien, die jetzt bei der Olivenölverfälschung ertappt wurde und keiner kann sich vorstellen, dass denen deshalb etwas passieren wird. Dass sie Olivenöle im großen Stil verfälschen zählt in Italien nahezu zum Allgemeinwissen. Spekuliert wird daher eher darüber, warum erstmal in den Veröffentlichungen explizit auch „Ross und Reiter“ genannt werden, was sonst unterblieben ist. Spekuliert wird, ob es sich jetzt um eine gezielte Denunziation als Ausdruck eines Machtkampfes zwischen den beiden großen Fälscherfamilien handelt oder ob zuständige Beamte nicht mehr oder nicht mehr in ausreichender Größenordnung bestochen wurden.

Wenig Hoffnung muss man sich wohl auch machen, dass die Quellen für gefälschte Olivenöle damit jetzt versiegen werden. In den Supermarktregalen werden die Billigangebote weiterhin im gleichen Umfang zu finden sein und auch die Verbraucher werden in ungebrochenem Umfang darauf zugreifen. Schon in wenigen Wochen wird man sagen: … war was?

Mehr zu diesem Thema in unserer Rubrik „Olivenöl & Markt“

Keine Kommentare bis jetzt.

Schreibe einen Kommentar