Unter 30 Jahre

… und gerade weg von Mama und Papa?

Die erste Phase eines neuen Projektes ist immer von einer kreativen und noch orientierungslosen Unordnung gekennzeichnet. Ganz einfach ist die Aufgabe auch nicht, stellvertretend für die eigene junge und noch nicht gefügte Generation Zukunftsentwürfe zu formulieren. Zunächst wird erkundet, gesammelt und spontane Ideen werden gesponnen. So erging es auch Zora Annabell, Anna Maria, Manuel und Kolja in der arteFakt-Zukunftswerkstatt.

 

Helfen, unterstützen – ohne sich einzumischen.

Gern wollen wir sie dabei beobachten, das ist ein wichtiger Teil des Projektes, weil wir dadurch erfahren können, was sich in ihren Köpfen abspielt und welche Genese ihre Ideen nehmen. Früh haben wir sie daher ermuntert, alles in einen Speicher zu stopfen. Auf ihrer Homepage (www.artefakten.org) findet sich das in der Rubrik „Gedanken“. Schmökert man sich da durch, finden sich die Spuren für ihre jetzigen Produktideen, von denen eine die Notfallbox ist. Es lässt sich fragmentarisch daran erkennen, was dieser Generation wichtig sein wird, welche Aufgaben sie für sich sehen, auch welche Probleme sie erwarten und mit welcher Ästhetik sie ihrem Handeln Ausdruck verleihen möchten.

Mit der Notfallbox wenden sich die Vier mit der Bitte vorrangig an die arteFakt-Freunde der jungen und älteren Generation, ihnen damit zu helfen vielfältige Kontakte zu Menschen ihrer Generation, also den unter 30jährigen, zu bekommen. Mit ihnen möchten sie dann in einer repräsentativen Breite die Ideen weiter entwickeln und reflektieren. Etwas spaßig haben sie formuliert, dass die Notfallbox eigentlich nur Menschen unter dreißig Jahre kaufen dürfen, und wenn es über 30jährige tun, dann nur weil sie die Box an unter 30jährige verschenken wollen. In diesem Sinne freuen wir uns natürlich, wenn viele der Notfallboxen auch verschenkt werden.

 

NotfallboxDie Notfallbox ist eigentlich eine Trendbox

Mit Kaffee, grünem Tee, Wein, Balsamico und Olivenöl wurden vor allen Dingen Genussmittel in die Notfallbox getan. Sicher ist das auch ein Ausdruck davon, was Kinder der Mittelschichten heute von Zuhause gewohnt sind und was schnell als Erstes den ökonomischen Zwängen zum Opfer fällt, wenn es selbst bezahlt werden muss.

Interessanter ist aber sicher, mit welchen Kriterien der politischen Korrektheit sie ihre Auswahl der einzelnen Produkte belegt haben. Wie selbstverständlich sind es umfassende Transparenz, ökologische und soziale Standards, die Nähe von Erzeugung und Verbrauch und faire Tauschbeziehungen. Vieles davon werden sie, ähnlich den Genussmitteln, von Zuhause gewohnt sein. Das wäre übrigens kein schlechtes Ergebnis der Bemühungen unserer Generation als Eltern.

 

Der Umgang mit Ressourcen

Wenn es richtig ist, dass jeder Trend den Gegentrend gebiert, dann lässt sich in der Box einiges davon erkennen.

Die Frontetiketten der Produkte wollten sie gern selbst gestalten, was nicht nur ihrer Profession als Designer geschuldet sein dürfte. Die zumeist überfordernde Fülle unseres Warenangebots mit allen möglichen Unterdifferenzierungen lassen kaum noch Raum für den klaren Blick und auf das Wesentliche. So steht z.B. der in der Box enthaltene Rotwein mit seinem Etikett weniger für die Rebsorte, das Anbaugebiet und den Winzer, sondern stellvertretend für den Anspruch ihrer oben aufgeführten Kriterien. Neben den oben angeführten zählt dazu auch eine Begrenzung der Angebote und der Auswahl. Eine neue Einfachheit wird gesucht, mit weniger und dafür ehrlichen Angeboten.

 

Einheit von Regionalität und Globalität

„Wir produzieren nur in Deutschland“ ist keine Perspektive dieser Generation, die sich mit ihrer natürlichen Unbefangenheit längst in europäischer und globaler Dimension mit ihren gesellschaftlichen Kontakten bewegt. Im Privaten sind sie mit dieser kulturellen Prägung der Politik und vielen Politikern weit voraus. Die technischen Möglichkeiten moderner Medien ermöglichen ihnen ihre gewünschte Transparenz und Nähe auf annähernd gleichem Niveau herzustellen, egal ob für die Region vor der Haustür oder einer weit entfernten Region. Die Auswahl der Partner für die Produkte in der Notfallbox lassen das erkennen.

 

Conrad Bölicke
Bestellen Sie hier Ihre Notfallbox.