Was ist eigentlich PE (Polyethylen)?

Die Bag in Box ist leicht in der Handhabung, schließt den Sauerstoff aus und eignet sich gut für den Versand. Das sind äußere Faktoren, es galt nun die inneren Werte auf den Prüfstand zu stellen.  Allein, wir waren zunächst skeptisch, weil wir schon früh, zu Beginn unserer ersten Rückstandsanalysen, auf Weichmacher gestoßen waren. Ursache waren Dichtungen und Schläuche in den Olivenmühlen. Sie trugen zwar alle das Zeichen (stilisiertes Weinglas und Gabel) für eine Lebensmitteltauglichkeit, nur gilt das lediglich für die Durchleitung wässriger Lösungen und nicht für fetthaltige. Wir tauschten sie gegen geeignete aus und wurden daher von dem späteren, von der Stiftung Warenrest entdeckten  „Weichmacherskandal“ in Olivenölen, auch Bio-Olivenölen, verschont.

Die Frage blieb, ob die Beutel in der Lage sein würden stoffliche Anteile an das Olivenöl abzugeben. Eigene Kenntnisse aus meinem Studium zum Ingenieur der Werkstoffwissenschaften mit dem Vertiefungsgebiet „Polymerer Werkstoffe“ kamen mir dabei zur Hilfe, um geeignete Versuchsreihen mit den Chemikern unserer beauftragen Prüflabore zu erörtern und durchzuführen. Zum besseren Verständnis muss ich hier ein wenig in die chemischen Grundlagen gehen und versuche es so zu schreiben, dass es auch ohne chemische Ausbildung verstanden werden kann.

Kunststoffe, auch als polymere Werkstoffe bezeichnet, werden heute im Wesentlichen auf der Basis von Erdöl gewonnen, es handelt sich also im Grundsatz um Kohlenstoffketten. Kohlenstoffketten können kurz, lang, verzweigt und unverzweigt sein, es können andere Moleküle oder Baugruppen hinzugefügt werden, immer verändern sich dadurch ihre späteren Eigenschaften. Diese Grundbausteine werden als Monomere bezeichnet. Bei der Herstellung ist es die Aufgabe, diese Monomere zu einer Kette zusammen zu fügen, der Polymerisation, daher der Name “Polymere“.

Um die Monomere in eine Kette zu bringen, muss man sie für diese Reaktionen i.d.R. in Lösung bringen. Entsteht dabei eine Kette mit vielen Seitengruppen, verhakeln sich diese und machen die Kette unbeweglich. Um sie trotzdem elastisch zu bekommen, setzt man dann Weichmacher ein, die quasi als Schmiermittel dienen, damit die Verzweigungen gleitfähig werden. Dass Lösungsmittel und Weichmacher unserer Gesundheit auf Dauer nicht zuträglich sind, gehört heute nahezu zum Allgemeinwissen und begründet damit zu Recht die wachsenden Vorbehalte von Verbrauchern gegen Kunststoffe. Lösungsmittel und Weichmacher gehören nicht in Lebensmittel. Aber nicht nur dort. Dass sie auch ein Problem in unseren Lebensräumen darstellen, wurde mit der PVC-Problematik (PVC = Poly-Vinyl-Chlorid) deutlich. Neue, elastische PVC-Bodenbeläge z.B. dünsten die Lösungsmittel und Weichmacher wieder aus und reichern die Raumluft damit an, die wir einatmen. Mit der Zeit, auch als Alterung bezeichnet, spalten sich die Seitengruppe der Kette des Vinylchlorids ab und dünsten mit dem Lösungsmittel aus. Mit der Zeit wird der PVC-Belag immer härter, versprödet und nutzt sich dadurch schneller ab. Die Weichmacher haben sich erschöpft. In der Müllverbrennung bilden etliche Kunststoffe, dank ihrer Zusätze, dann noch sehr unfreundliche Dioxine.

Dieser Mechanismus gilt im Grundsatz für nahezu alle Kunststoffe und Vorbehalte bzw. ein Anfangsverdacht gegen sie ist daher m. E. immer berechtigt. Hierbei würde ich Kritiken eher bestärken als sie relativieren zu wollen.   

Wie so oft im Leben, gibt es aber auch bei Kunststoffen Abweichungen von der Norm, bei denen all die Argumente nicht zutreffen. Bei Kunststoffen sind es die reinen Polyethylene (PE) und Polypropylene (PP). Sie finden sich in vielfacher Anwendung im Lebensmittelbereich, z.B. den Tupperware-Behältern, Gefriertüten, Frischhaltefolien und -beuteln aller Art.

Was ist nun anders an ihnen, dass sie als lebensmitteltauglich eingestuft sind? Beide zählen zu den sogenannten niedermolekularen Monomeren. Sie sind sehr kurz und unverzweigt. Wenn sie sich in der Polymerisation zu einer Kette verbinden entstehen Spaghetti ähnliche Fäden, die sich leicht in jede Richtung verformen lassen ohne dabei zu verhakeln und Widerstand zu leisten. Sie benötigen daher keine Zusätze von Weichmachern, um elastisch zu sein und lassen sich somit gut zu Folien verarbeiten. Weiterhin muss ihren Monomeren keine Lösungsmittel zur Reaktion bzw. Polymerisation zugegeben werden, da sie sich in sich selbst lösen bzw. aus der Gasphase gewonnen werden. Die Vorbehalte des Entweichens von Lösungsmitteln und Weichmachern entfallen hier also, weil sie zur Herstellung nicht benötigt werden.  (Siehe auch Analyseprotokolle)

Nicht so sicher bin ich mir bei der PET-Flasche, die sich in Ablösung der früheren PVC-Getränkeflaschen am Markt durchgesetzt hat. Dem PE (Polyethylen) wurde hier die „Baugruppe“ des Terephthalat angehängt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich das Terephthalat wieder abspalten kann und sich dann im Wasser anreichert. Andere Studien zeigen, dass gegen eine gesundheitliche Unbedenklichkeit dieser Phtalate durchaus Vorbehalte angebracht sind. Verbraucherschutzorganisationen empfehlen daher z.B. kein Wasser aus  Flaschen zu trinken, die länger als zwei Tage geöffnet waren.

3 Antworten zu Was ist eigentlich PE (Polyethylen)?

  1. Barb 16. Oktober 2015 at 07:12 #

    Hey, vielen Dank, das ist eine super erlärung, die ich als Leihe verstehen kann!

    • Marx Hendrik 31. Januar 2017 at 09:45 #

      Frage: zu LDPE Polyethylene Kunststoff Formung.

      Bei der Formung entstehende Dämpfe! Sind diese für den Menschen Gesundheit- gefährdet, sogar Krebs erregend ? Wird beim erwärmen „Rauchentwicklung“ die Barriere- schicht von LDPE zerstört?. Wasser- Kohlenstoffdioxide treten aus und verursachen Atemprobleme, Krebs ect.

  2. Malte 15. März 2017 at 18:03 #

    Hallo,

    Wieso ist gerade das oeffnen und wiederverwenden von PET flaschen so schaedlich? ich mache es leider haeufig, da meiner begrenzten logic nach, mit der zeit weniger ans wasser abgegeben wird, dass ist aber scheinbar falsch :(. gibt es auch PE flaschen?

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